Freitag, 17. Oktober 2014

Car Wrapping, ein Wohnmobil folieren ... oder: aus Weiß mach Deins!


Es war einmal ...
das wilde Pinseldesign unseres Wohnmobils aus den 90-ern
gehört nun der Vergangenheit an

Die optische Umgestaltung unseres Wohnmobils war in unseren Köpfen schon lange ein Thema.
Wir wollten uns einfach von dem werksseitigen, fast obligatorischen "Weiß" und den verwitterten Schriftzügen und Pinselstrichen in mit der Zeit undefinierbar gewordenen Farben trennen und haben verschiedene Möglichkeiten durchdacht, um diesen Wunsch zu realisieren.
Dabei spielten natürlich die Größe der zu beklebenden Fläche (ca. 35 qm), die damit verbundenen Kosten und die Tatsache, daß wir in unserem Mobil dauerhaft wohnen, eine entscheidende Rolle.
Einfach in der Werkstatt irgendwo abstellen, kam für uns ja nicht in Frage :).
Folgende Ideen haben wir verglichen:

  • Professionelle neue Lackierung 
  • Lackieren in Eigenarbeit mit der Farbrolle 
  • Car- bzw. Womo-Wrapping, das heißt flächiges Bekleben mit farbiger Folie

Wir entschieden uns aufgrund des überzeugenden Preis-Leistungsverhältnisses und der Tatsache, 
daß wir eine wetterunabhängige grosse Halle nur für einen Zeitraum von 48h an einem Wochenende zur Verfügung hatten, für das Folieren. 
Eine Lackierung mit der Farbrolle wäre aufgrund der vielen Arbeitsschritte und Trocknungszeiten in den 2 Tagen nicht zu schaffen gewesen. Und beim Streichen im Freien vom Regen überrascht zu werden ... das war uns zu heikel. 
Die Teilfolierung war perfekt für uns, denn der bereits geklebte schwarz-matte Keil in Fensterhöhe und die lackierten Stauklappen sollten in das neue Design integriert werden.
Wir trauten uns zu, diese Arbeit in dem Zeitrahmen von einem Wochenende zu bewältigen.

Dann kam das, was ein jeder von Euch bestimmt nachvollziehen kann ... die Qual der Wahl, welche Folie, welche Farbe ...?
Wir hatten uns einen sanften Braunton vorgestellt, welcher sich harmonisch in die Farben der Natur integrieren und in die Umgebung unserer Lieblingsstellplätze einfügen sollte.
Bei der Farbauswahl haderten wir doch sehr mit der Problematik, uns die Farbe des klitzekleinen Ausschnittes einer Farbpalette auf unserer großen Fläche vorzustellen und dann war zu allem Überfluss genau der Ton, den wir uns ursprünglich überlegt hatten, unter all den vielen Kärtchen nicht zu finden.



Diesen gab es nur als sogenannte Plotterfolie, die für Schriftzüge und kurzfristige Beklebungen geeignet ist, aber nicht für langlebiges, großflächiges Car-Wrapping.
Wie sollten wir uns nur entscheiden?
Glücklicherweise hatte Shogun dann den genialen Einfall, Folienreststücke aus den Werkstätten mitzunehmen und einfach mal an das Wohnmobil zu halten, um es sich in Kombination mit unserem schwarz und grau irgendwie vorstellen zu können ... Unter diesen Resten war auch ein kupferartiger Ton, für den wir uns auf einer Farbkarte niemals hätten begeistern können ... und in Natura im Tageslicht sah er auf einmal richtig gut aus :)
Mit dieser Hilfe waren wir uns dann recht schnell einig und entschieden uns für eine bronzene matt-metallic Wrapping Folie mit Rapid Air, das sind integrierte Luftkanäle, die es leichter machen, blasenfrei zu verkleben. Puh, das war einer der aufregendsten Momente, übertroffen nur noch durch den Augenblick, als wir die erste Bahn unserer Wunschfarbe dann endlich anlegen konnten! 
Aber bis zu diesem erlösenden Moment, war noch so Einiges an Vorbereitungen zu treffen.

Die Bestimmung der gesamten benötigten Folienmenge für die Bestellung war auch ein wichtiger Punkt. Die Folie wird üblicherweise in 1,52m Breite geliefert, und wir errechneten, daß eine Rolle von 25 x 1,52m für den Commander ausreichend sein müsste.
Unser Tipp:
Unbedingt vorher überlegen, wo geschnitten werden muß und wo Überlappungen unnvermeidbar sind, denn sparsam mit der Folie umgehen und möglichst effektiv arbeiten ist immer ein Anliegen von Shogun. Wir haben auch gelernt, daß insbesondere bei langen durchgehenden Stücken Platz für die Hände zum "Ziehen" der Folie zugeben werden muß.
Bei uns war dies zum Beispiel an den langen Seitenteilen und an den Rundungen wichtig.

Nicht zu unterschätzen sind die zu leistenden Vorarbeiten, um den Untergrund bekleben zu können,
und wir waren allein damit einige Tage beschäftigt.
Nach fast 15 Jahren UV-Licht, Hitze und anderen extremen Umwelteinflüssen sahen die Aufkleber es selbst unter Einsatz eines Profi-Heißluftföns gar nicht ein, sich noch einmal vom Fahrzeug zu trennen.
So wurden nach kurzer Recherche im Internet Aufsatzradierer für die Bohrmaschine bestellt. Diese waren beim Entfernen der Kleber eine echte Hilfe, allerdings ging es trotz allem nur in kleinen Teilstücken voran und die Radiermasse hinterliess stellenweise gelbe Schlieren auf dem Untergrund. So hatten wir also irgendwann ein kahles, hässlich weißes Wohnmobil mit vielen Streifen und mein Shogun hatte so manchen Schweißtropfen vergossen ;). 
Einige Löcher und Risse, die der Zahn der Zeit hinterlassen hatte, wurden gespachtelt und aufgrund des Alters unseres Gelcoats (so nennt sich die Deckschicht) beschloss Shogun dann, die gesamte Oberfläche zu schleifen.

eins der unansehnlichen Zwischenstadien ...
aber es geht voran :)
Zwischenzeitlich hatte es einige Male heftig geregnet, das haben wir dann als "Vorwäsche" durchgehen lassen, bis wir uns endlich mit Teleskopbürsten, Schwämmen und Shampoo bewaffnet ans Werk machen konnten.
Der feste Wasseranschluss, ein langer Schlauch und die kompatiblen Bürstenaufsätze sorgten dafür, dass tatsächlich am Ende ein zufriedenstellend sauberes Wohnmobil vor uns stand!
Bevor die Folie geklebt werden kann, muß dann zusätzlich noch einmal die ganze Oberfläche mit einem Silikonentferner vorbehandelt werden, um einen wirklich fettfreien Grund zu erhalten.
Selbst kleinste vergessene Staubkörnchen sind unter der Folie ein echtes Problem, denn sie bilden mit der Luft, die sie umschließt, wirklich störende "Pickelchen", und das ärgert jeden Klebemeister sehr.

Ihr seht, das Endergebnis setzt sich aus vielen, vielen arbeitsreichen Einzelschritten zusammen :-)

Endlich kam der große Tag der Folierung, oder des "Wrapping", wie es in der Szene genannt wird.

alle störenden Anbauteile auf der Außenhaut
müssen natürlich vorher auch noch entfernt werden

der Anfang war aufregend ... doch bereits
nach den ersten Bahnen fiel unsere Anspannung etwas ab
und wir freuten uns über unsere Farbwahl!

das Gerüst auf Rollen war bei einer Höhe
von über 3 Metern sehr hilfreich,
besonders oben an den Rundungen der Front

Klein-Nico empfand die Geschehnisse als nicht so spannend,
er fror in der ungemütlichen, großen Halle ...

... bis er herausgefunden hatte,
wieviel angenehme Wärme so eine Arbeitslampe abstrahlt :)

endlich Feierabend, und eine Übernachtung
in der Halle steht uns bevor

Sonntagabend, ein paar Kleinigkeiten sind noch zu tun,
aber wir müssen die Halle nun räumen

als wir dann am fertigen Wohnmobil
 die alte Karte ausprobierten, war schnell klar ...
wir wollen ein anderes Design!

Und so begaben wir uns daran, Schriftzüge zu entwerfen, zu platzieren und wieder die richtige Farbe zu finden. All das hat uns so viel Spass gemacht!
Daher meine ehrlich empfundene Empfehlung für Euch alle:
Löst Euch von dem Einheitsbrei, egal ob es um Euer Auto, Wohnmobil, Haus, Kleidung oder was auch immer geht :) ... macht Euer eigenes Ding und verwirklicht Eure Vorstellungen von Form und Farbe!
Gerade der kreative Teil daran hat uns so viel Freude bereitet, und es war so beglückend, die gelungene Umsetzung zu erleben.

Bei der Realisierung der Beschriftung haben wir dann kompetente Unterstützung bei alten Bekannten gefunden. Sie führen inzwischen einen florierenden Folientechnik- und Digitaldruckbetrieb und haben unsere Vorstellungen wunderbar umgesetzt.
Bei Interesse findet Ihr den Kontakt in meiner Linksammlung.

Wir hatten Glück und bekamen für die Vollendung unseres Projektes Anfang Oktober einen wunderschönen Herbsttag geschenkt . Die Sonne lachte, wir freuten uns und waren gleichzeitig gespannt, wie unser auf dem Bildschirm entstandene Entwurf nun in der Realität wirken würde.


am Heck gehts los mit unserer Weltkarte :)

Solvana und Shogun sind auch schon zu lesen :))

die Beiden sind ein eingespieltes Team

die Vorfreude auf unseren fertigen Schriftzug
wird immer größer!

unser Kunstwerk ... Art is everywhere

Teamwork für ein perfektes Ergebnis

so schön 

Nicht nur das äußere Erscheinungsbild des Commanders, auch unser Begleitfahrzeug hat sich in der Zwischenzeit verändert. 
Der Burgman 200-er Roller war ein superpraktisches Gefährt, mit seinem riesigen Staufach auch perfekt zum Einkaufen, aber auf längeren Fahrten zu zweit und vor allem für Shogun auf seinen Erkundungstouren kam der Spassfaktor für einen leidenschaftlichen Motorradfahrer einfach zu kurz. Die teils doch heftigen Geländeeinsätze gingen auch nicht ganz spurlos an ihm vorüber und so haben wir uns für ein etwas geländetauglicheres Zweirad entschieden, das bei Bedarf auch genügend Platz für uns beide bietet.
Und wenn Shogun Lust auf ein Extra-Tourchen hat, kann er damit auch deutlich mehr Spass haben :).


Bevor wir uns der äußeren Veränderung gewidmet haben, hatte Shogun bereits im Innenraum an der amerikanischen Ausstattung so manche Umgestaltung vorgenommen, um so mehr unseren Geschmack und Stil zum Ausdruck zu bringen und zu verwirklichen.
Eine stimmige Umgebung ist ein entscheidender Faktor für unser Lebens-und Wohlgefühl und nun durch die Folierung ist der Commander auch von außen noch einmal ein großes Stück mehr zu unserem Zuhause geworden.

die glücklichen Bewohner



Nun wird es Zeit, wir wollen wieder auf die Reise gehen und Neues von unserer schönen Welt 
und ihren Menschen entdecken.

In wenigen Tagen soll es losgehen und unser Kompass weist Richtung Süden. Wir beobachten schon aufmerksam die Großwetterlage und tüfteln eine Route aus. Oder besser gesagt, eine grobe Richtung, denn einmal unterwegs, wollen wir es wieder Gefühl und Intuition überlassen, welchen Weg wir einschlagen.
Besonders schöne Erlebnisse und Anblicke werden wir in unserem Reiseblog hier mit Euch teilen und sind schon voller Vorfreude, seinem Namen wieder alle Ehre machen zu können,
mit Bildern und Erzählungen vom unvergleichlichen
"Licht des Südens".